Bushaltestelle Deutschland, 2017

Haltestelle, Polycarbonat, Airbrush
St.Open #1, Zusammenarbeit mit Vera Drebusch

Installationsansicht Eisenbahnbrücke am Mediapark, Köln

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Auf der ehemaligen Eisenbahnbrücke zwischen Mediapark und Stadtgarten eröffnete Anfang April die erste von vier Haltestellen das Ausstellungsprojekt St.Open. Zusammen mit Vera Drebusch entwickelte Selma Gültoprak die Arbeit Bushaltestelle Deutschland.
Das im Farbverlauf von schwarz-rot-gelb gestaltete Wartehäuschen ist inzwischen Anlaufpunkt für viele unterschiedliche Menschen geworden: knutschende Jugendliche, Obdachlose und Spaziergänger rasten dort, mit Blick auf den freien Himmel und den Kölner Fernsehturm, und hinterlassen ihre Spuren.
Die gesamten Wandteile sind durch Airbrushtechnik lackiertes und dennoch durchscheinendes Polycarbonat ersetzt - die gesamte Wandfläche ist in einem schwarz-rot-gelben Farbverlauf gefärbt. Entgegen der scharfen Linientrennung der Deutschlandflagge gehen die Farben hier ineinander über und vermischen sich. Das durch die Haltestelle dringende, getönte Tages- und Sonnenlicht reflektiert den Raum - je nach Sonnenstand - auf die Umgebung und den Innenraum - sie tränkt sie mit ihren Farben.
Der profane Architekturgegenstand der 70er Jahre Bushaltestelle erhält so einen sakralen Moment und beginnt zu leuchten. Dieser Moment steht in Spannung mit den Farben, die sich an denen der Deutschlandfahne orientieren. Obwohl der Farbverlauf das Bild der Fahne entfremdet, bleibt sie
deutlich wiederzuerkennen.
Deutschland selbst ist - seitdem es hunderttausende von Geflüchtete aufgenommen hat - zum Symbol geworden. Es hat global einen neuen Charakter gewonnen und eine umkodierte Außenwirkung erzielt. Für viele ist Deutschland ein Sehnsuchtsort, ein Hafen der Menschenrechte. Aber nicht jeder bleibt hier, sondern es ist nur eine Station auf einer ungewissen Reise ohne Perspektive. In Deutschland hat die Flagge wieder starke Symbolkraft erlangt. Sie ist aktuell wieder deutlich präsenter und sichtbarer im öffentlichen Raum geworden. Fahnen sprechen von Abgrenzung und Ausschließung und bewirken Haltungen dazu.
Die Bushaltestelle ist ein Warteraum, ein Ort der Erwartung, der Pause und eine Transitstelle. Im urbanem Raum rahmt und sammelt sie die Wartenden und macht sie dadurch sichtbar. Gleichzeitig bietet sie einen provisorischen Schutz und kann sich eine temporäre, zufällige Gemeinschaft und ein Nebeneinander von ähnlichen oder gegensätzlichen Gefühlen und Gedanken ergeben.
Vera Drebusch und Selma Gültoprak greifen den ambivalenten Charakter der Fahne im Kontext zur Funktion der Bushaltestelle auf. Das „Fenster“ - im
Kontrast zum stabilen Metallrahmen - illustriert Fragilität.
Die temporär aufgestellte Installation zeigt sich leer und offen. Sie steht verlassen und alleine auf der Unterführung. Zugleich erscheint sie wie eine lichtdurchflutete Oase und ihre Präsenz kann überdies auf zweiter Ebene von unten von der Erftstraße aus wahrgenommen werden.

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